Projektbeschreibung

Das Projekt soll auf der Basis von vier länderbezogenen Pilotstudien (USA, Indien, Niederlande, Südafrika) einen empirisch fundierten konzeptionellen Rahmen entwickeln, innerhalb dessen aktuelle und historische Auseinandersetzungen um die Verhältnisbestimmung von Religion und Säkularität in unterschiedlichen sozialen Feldern und mit verschiedenen fachlichen Zugängen in vergleichender Perspektive untersucht werden können.
Das Projekt greift dabei aktuelle Debatten über Säkularisierung und Moderne, die Rolle von Religion in der Öffentlichkeit sowie über das Verhältnis von Religion, Säkularität und Demokratie auf, in denen klassische säkularisierungs- und modernitätstheoretische Annahmen zunehmend hinterfragt werden. An die Stelle bislang verbreiteter Konvergenzannahmen und von Annahmen über einen linearen Prozess von Säkularisierung und funktionaler Differenzierung ist eine starke Relativierung der dabei unterstellten Entwicklungen getreten. Dies hat einerseits zu einer verstärkten Aufmerksamkeit für Akteurskonstellationen, historische Kontingenzen und Pfadabhängigkeiten und zu einer Kritik an den normativen Implikationen der klassischen Säkularisierungsthese geführt, droht aber andererseits in eine neue Normativität umzuschlagen, die bisweilen blühende Religiosität als den weltweiten Normalfall unterstellt. Zudem droht die Betonung der Verschiedenheit von Konstellationen in einen Relativismus zu münden, der den wissenschaftlichen Vergleich der Konstellationen behindert und die Herausarbeitung übergreifender Strukturen und Prozesse unter den Generalverdacht des Eurozentrismus stellt.

Das Projekt setzt an dieser Ausgangslage an und sucht daraus einen – an der Kritik gewachsenen – Ausweg. In Anlehnung an Eisenstadts Konzept der „Multiple Modernities“ sollen anhand aktueller und historischer Konflikte die Dynamiken und Motive der Auseinandersetzungen um Religion und Säkularität untersucht werden. Dabei ist davon auszugehen, dass diese Dynamiken und Motive auch in der sog. „westlichen Welt“ nicht einheitlich sind, und dass es – weltweit betrachtet – zu einer Überlagerung kulturell spezifischer Entwicklungen und zu Reaktionen auf Säkularisierungsprozesse und Säkularitätskonzepte in der westlichen Welt und deren globalen Einfluss kommt. Das Zusammenwirken dieser Prozesse soll im Rahmen des Konzepts der „Multiple Secularities“ untersucht werden.
Weiter geht das Projekt von der Annahme aus, dass es nicht nur rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen sind, die für die Untersuchung solcher Konflikte relevant sind, sondern auch spezifische, zum Teil miteinander konkurrierende kulturelle Sinnordnungen, die sich in der Verhältnisbestimmung von Religion und Säkularität kristallisieren. Die Dynamik dieser Konflikte – so die Annahme – resultiert daraus, dass es dabei auch um die Verteidigung oder Infragestellung kultureller Konstellationen geht, deren Verständnis für eine vergleichende Analyse des Verhältnisses von Religion und Säkularität wesentlich ist.

Kontakt

Universität Leipzig
Institut für Kulturwissenschaften
Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr
Beethovenstr. 15
D-04107 Leipzig

Tel. +49-341-9735678
Email: wohlrab@uni-leipzig.de


Förderer

Staatsminiterium für Wissenschaft und Kunst